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Die Nacht der Pudelmutter

In der Nacht vor Heilig Drei König kam hier in der Fürstenfelder Gegend vor 50 Jahren noch die Pudelmutter in die Häuser. Nein, mit Hunden hatte dieser Brauch nichts zu tun. Der Name kam daher, dass die Pudelmutter – ein altes, verhutzeltes, gebückt gehendes Weiberl mit tief ins Gesicht gezogenem Kopftuch – von Haus zu Haus ging, die Tür aufgerissen und wortlos aus einem flachen Korb Äpfel, Nüsse und einige Leckereien in den Raum geschmissen hat. Die Gaben sind über den Fußboden „gepudelt“, wie man das Rollen im Volksmund nannte.

Dieser Brauch dürfte aus dem italienischen Raum stammen, in dem ja in der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner die Befana ihre Gaben an die Kinder verteilt. Aber nicht nur für uns Kinder war die Pudelmutter ein willkommener Gast. Meine Großmutter war felsenfest davon überzeugt, dass die Hühner im neuen Jahr weniger Eier legen würden, sollte sie einmal ausbleiben. Darum hat sie auch zeitlebens darauf geachtet, dass sich meine Tante an jedem 5. Jänner in ein altes Weiberl verwandelt und recht viele Gaben für uns Kinder hereinpudeln ließ.