Schlagwort Archiv: Brioche

Horoskop

Am Samstag habe ich mit Mutti einen Stapel älterer Zeitungen durchgesehen. Da fiel mir ein Monatshoroskop für den September in die Hände. Unter meinem Sternzeichen stand, dass es an der Zeit wäre, endlich aktiv zu werden, mich ein wenig umzusehen, denn das Leben hielte eine Waage für mich bereit, die mir wunderbare Stunden schenken würde. Na wenn das so ist, dachte ich mir, dann muss ich mich wohl beeilen, denn schließlich schreiben wir schon den 20. September und die Zeit wurde knapp.

Ich setzte mich also gerade hin, so nach der Art Bauch rein und Brust raus, zauberte ein kleines Lächeln ins Gesicht und ließ meine Blicke erwartungsvoll schweifen. Durch die Küche. Und dann sah ich sie wirklich und wahrhaftig. Oben auf dem Küchenkastl stand sie, alt und ein bisserl wacklig, weil sie nur noch drei Beine hat und verstaubt war sie auch, aber verdammt, es war eine Waage – und genau das stand doch in dem Horoskop.

Das mit den wunderbaren Stunden hat sich jedoch als Flop erwiesen. „Stunden“ war schon richtig, aber wunderbar? Nein, nicht wirklich – müde war ich, nachdem ich das ganze Deko-Zeug, das auf den Küchenkasteln steht, herunter geräumt, die Kasteln geputzt, das Zeug gewaschen, aufpoliert und wieder nach oben geräumt hatte. Lasst euch das eine Lehre sein – Horoskope sind  böse – sehr böse und versprechen weit mehr, als sie halten!

Sternstunden – self made

Glaubt mir, für schöne Stunden sorgen nicht die Sterne, für die muss man selber sorgen, indem man einen Brioche bäckt, sich mit dem lauwarmen Teil in die milde Sonne des Altweibersommers setzt, Butter auf einer Gebäckscheibe zerschmelzen lässt und den „Abschaum“ von der Uhudlermarmelade dazu löffelt. So schauts aus!

Testbacken: Brioche

Kaum wird es draußen kühler, packt mich wieder der Germteiggusto. Passt eh so, weil es ja nimmer weit bis Allerheiligen ist und da möchte ich nach den Flops mit den gekauften Allerheiligenstriezel in den letzten beiden Jahren, die Striezel heuer selber backen. Aber nicht irgendwelche Striezel, sondern die richtig guten Kalorienbomben, weil Frau sich eh sonst nichts gönnt. Schmecken sollen sie so, wie der beste Striezel aller Zeiten, den ich vor gut 10 Jahren in Graz in einer kleinen Konditorei in der Radetzkystraße gekauft hatte. Es war ein Brioche-Striezel aus dem die Butter fast herausgeronnen ist, saftig mit ein wenig Biss und trotzdem weich und nicht so wattig oder zäh wie die Striezel heutzutage sind. Und damit es auch etwas wird mit den Brioche-Striezeln, habe ich 55er Mehl aus Frankreich bestellt und den ersten „richtigen“ Brioche meines Lebens gebacken. Brioche-Form habe ich – noch – keine, aber zum Testen tut es auch meine Königskuchenform und außerdem sollte ja auch ein kleines Probe-Striezerl gemacht werden.

Aber genug geschwafelt. Das Rezept habe ich von HIER und ich habe mich auch haarscharf daran gehalten, obwohl es mir nicht immer leicht gefallen ist *g*

Brioche

Monsterbrioche – aber guuut

Du brauchst:

500 g Mehl (ich habe Mehl Type 55 aus Frankreich genommen)
30 g Zucker
6 Eier
350 g weiche Butter, in kleine Würfel geschnitten
15 g frische Germ (Hefe)
70 ml lauwarme Milch
1 TL Salz

1 Ei zum Bestreichen
Hagelzucker zum Bestreuen

Mehl, Zucker und Salz vermischen, die Germ in der lauwarmen Milch auflösen, die Eier versprudeln und alles zusammen zu einem weichen Teig verkneten. Nun nach und nach die Butterwürfel dazu geben und den Teig noch etwa 5 Minuten auf mittlerer Stufe kneten. Entgegen den Angaben hat sich der Teig keinesfalls von der Rührschüssel gelöst und muss das auch nicht tun, wie ich im nachhinein anderen Rezepten entnommen habe.

Den Teig etwa 2 Stunden gut aufgehen lassen und wieder zusammenkneten. Dann den sehr!! weichen Germteig in einer mit Frischhaltefolie gut abgedeckten Schüssel über Nacht (oder für mehrere Stunden) in den Kühlschrank stellen. Nach dieser kühlen Ruhezeit ist der Teig gut aufgegangen und auch so fest geworden, dass man ihn auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche auch bearbeiten konnte.

Brioche

Brioche in der Kastenform und als kleines Striezerl

Ich habe den Teig in etwa 5 gleich große Teile geteilt. Vier Teile (doch nicht gleich groß*g*) wurden zu kleinen Kugeln geschliffen und in die Kastenform geschlichtet. Aus dem Rest habe ich ein kleines Striezerl gemacht.

Brioche

Gut aufgegangen

Nun die Teiglinge bei Zimmertemperatur noch einmal schön aufgehen lassen, mit verklopftem Ei bestreichen und mit Hagelzucker bestreuen. Backofen auf 180° vorheizen und die Brioches goldgelb backen. Das Striezerl hat 25 Minuten gebraucht, der Brioche knapp 40 Minuten.

Brioche

Brioche und Striezerl

Überrascht war ich darüber, dass der Brioche-Wecken beim Backen dermaßen stark aufgegangen war, schließlich sind ja nur 15 g Germ im Teig und wenn das normal ist, weiß ich, warum eine Briochebackform sich nach oben verbreitert – der Teig muss ja schließlich Platz haben, sich auszubreiten, was ja in einer Königskuchenform nur bedingt gelingt. Da muss er oben überquellen – oder? Dass das Striezerl ein wenig aus dem Leim gehen wird, war ob des hohen Buttergehaltes ja zu erwarten, dem Geschmack hat das aber keinen Abbruch getan.

Conclusio: Als Brioche ist das Rezept wirklich toll, will ich aber einen Allerheiligenstriezel daraus machen, muss ich daran noch herumbasteln und vor allem mit Geschmackszutaten experimentieren. Aber das wird schon klappen und dann stelle ich das Rezept Ende Oktober ein, damit ihr noch Zeit habt, eventuell auch selber einen Brioche-Striezel zu backen, der nicht all zu sehr flach rinnt. Print This Post

Arme Ritter

Ein klein wenig wärmer ist es tagsüber geworden, das Grau ein bisserl heller, aber von der Sonne ist bisher bei uns nichts zu sehen. In der Nacht ziehen die Nebel wie im Herbst ums Haus und darum muss zum Abendessen etwas Süßes auf den Tisch zum Herzerlwärmen. Wenn man während der Fastenzeit schon Naschen muss, sagt Mütterlein, dann soll es wenigstens etwas Einfaches sein. Ich denke, noch einfacher, als die wirklich ganz armen Ritter, geht es nicht.

Arme Ritter

Die einfachste Version von Armen Rittern

Toastbrotscheiben mit Ribiselmarmelade zusammensetzen, die Doppelscheiben dann in einer Mischung aus Eiern, Milch, etwas Weißwein und Zitronenabrieb wenden und in ganz normalen Semmelbröseln panieren. In etwas Butterschmalz knusprig ausbacken und mit Vanillesoße servieren.

Aber so asketisch wie Mütterlein und ich heute gespeist haben, muss es wirklich nicht sein, es geht auch anders. Wie man die etwas reicheren Ritter aus Brioche-Scheiben macht, könnt ihr bei Tanja nachlesen. Und dann gibt es noch die Luxus-Ritter, die aber auch ganz einfach herzustellen sind. Zuerst schnippselt man 2-3 geschälte Äpfel in Scheiben und dünstet sie in etwas Apfelsaft oder Weißwein weich. Dann werden süße Weißbrotscheiben ebenfalls mit Marmelade gefüllt und nebeneinander in eine ausgebutterte Auflaufform gelegt. 2 ganze Eier und 2 Dotter werden in einem Viertelliter Milch mit Zucker und Zitronenschale verquirlt und über die Brotscheiben gegossen. Darüber schichtet man die gedünsteten Äpfel, schlägt die zwei restlichen Eiweiß mit zwei EL Zucker zu steifem Schnee und streicht ihn über die Äpfel.

Arme Ritter

Beinahe schon luxuriös – überbackene Arme Ritter

Das Ganze wird dann im vorgeheizten Ofen bei etwa 160° gebacken, bis der Eischnee goldgelb ist. Vanillesoße kann man noch dazu geben, aber nötig ist sie nicht, weil der „Ritter-Auflauf“ saftig genug ist. Print This Post

Scheiterhaufen

Scheiterhaufen oder nicht Scheiterhaufen, das ist die Frage, die in dieser Geschichte gestellt wird. „Die Hexen täten sich bedanken, wenn sie auf so einem Haufen verbrannt worden wären“, sprach die Mutter. „Ein Scheiterhaufen wird mit dünn aufgeschnitten Semmeln gemacht und außerdem müssen die Schichten viel dünner sein, damit mehr Schichten Platz in der Form haben. So, wie du das machst, wird das nichts, mein liebes Kind!“

Gebutterte Form mit Osterbrotscheiben und Preiselbeeren

„Wir werden es sehen“, sprach das Kind, „außerdem muss es auch beim Kochen so etwas wie künstlerische Freiheit geben!“ „Wie immer bist du der leibhaftige Widerspruch, aber egal, ICH esse ja, was auf den Tisch kommt, aber dein Bruder wird sich schön bedanken, wenn er diesen, diesen, diesen Sterz aufgetischt bekommt!“ konterte die Mutter empört. Das Kind, frech wie immer, antwortete, dass der Herr Bruder ja zu Hause essen könne, wenn ihm etwas nicht passe, und ließ sich nicht beirren.

dicke Apfelschicht, brauner Zucker und Zimt, Eiermilch

Mit stoischer Ruhe deckte es die Äpfel mit den restlichen Scheiben des süßen Brotes ab und tröpfelte liebevoll die Eiermilch darüber, bis alle Flüssigkeit verbraucht und in den Tiefen der Auflaufform verschwunden war.

noch etwas Zimt und Butterflöckchen darauf

Während der Scheiterhaufen oder auch Nicht-Scheiterhaufen für etwa 45 Minuten ins heiße Rohr wanderte, panschte das Kind noch schnell einen Topf Vanillesoße – mit echter Vanille selbstredend – und deckte den Tisch.
Vom fertigen Dingsbums kann euch das Kind allerdings kein Foto zeigen. Nicht nur, dass es herrlich geduftet hatte, als es aus dem Ofen kam, hat es auch noch hervorragend geschmeckt. Das Kind getraut es sich beinahe nicht zu gestehen, aber Mutter, Kind und Bruder des Kindes haben ratzeputz aufgegessen, was locker für sechs gute Esser gereicht hätte.

Das Kind und der Bruder des Kindes haben anschließend versucht, bei Gartenarbeit die massive Kalorienzufuhr etwas auszugleichen, die Mutter ruhte auf der Couch – mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Zutaten: 300 g süßes Brot, 6-7 Esslöffel Preiselbeeren aus dem Glas, 7 mittelgroße Äpfel (geschält, entkernt, geschnippselt), 6 Eier (versprudelt) und mit Milch auf gut 1/2 Liter aufgefüllt, brauner Zucker und Zimt nach Lust und Laune, Butter für die Form, Butterflöckchen für obendrauf. Backen im vorgeheizten Rohr bei 150° Heißluft. Print This Post