ZARTGRAU

Alltagsgeschichten

Wir nennen sie Luise

Heute Morgen Punkt 9:31 Uhr ist sie bei uns eingezogen. Nicht in eisblau sondern in creme weil creme auch schön ist und überraschend früher lieferbar war. Irgendwie ein Wink des Schicksals – eisblau hätte auch gepasst, aber besser passt das Creme, das in Wirklichkeit satter ist, als es das Foto zeigt.

Küchenmaschine

Luise

Morgen muss sie arbeiten, nachdem sie heute noch nichts tun musste – schließlich hatte sie Stress genug, denn per Post in 2 Tagen von Deutschland in den unteren Zipfel der Steiermark zu reisen ist wirklich eine Leistung. Ich habe mich so gefreut, als der Postler mit dem Packerl vor der Tür stand. Ich glaube, der hatte Angst, dass ich ihn abbusserl vor Freude und meine Mutter hält mich inzwischen für nicht zurechnungsfähig, weil ich das Luiserl immerzu abtatscherl. Schlimm sowas – keiner versteht mich :-(

Häferlkaffee

Zum Begriff Häferlkaffee hört man die kuriosesten Erklärungen. Die einen meinen, es handelt sich dabei um Kaffee, der in einem großen Porzellanbecher serviert wird, andere glauben, dass Häferlkaffee eine dünne Brühe ist.

Korrekt ist keine dieser Erklärungen. Unter Häferlkaffee versteht man Kaffee aus sogenanntem Ersatzkaffee, der aus verschiedenen Getreidesorten, Wurzeln oder Früchten hergestellt und aus großen, etwa 250 ml fassenden, geradewandigen Häferln getrunken wird. Die Älteren und die Landeier unter uns können sich bestimmt noch an Feigenkaffee, Zichorienkaffee oder Kaffee aus gerösteter Gerste und Roggen erinnern. Kaffeebohnen waren in früheren Zeiten für das Gros der Bevölkerung unerschwinglich, sogar die Bessergestellten tranken „echten“ Kaffee nur am Sonntag oder an Feiertagen und mussten sich unter der Woche damit begnügen, ein paar echte Bohnen dem Kaffeeersatz hinzufügen zu können.

Serviert wurde dieser Ersatzkaffee in geräumigen Tassen, den Häferln, mit reichlich Milch. Bekannte Marken waren zum Beispiel Corona, Kathreiner, Titze, Linde und so weiter, die auch heute noch sowohl in Supermärkten, als auch online erhältlich sind, denn zwischendurch belächelt, feiert der Häferlkaffee wieder fröhliche Urständ. Ich gestehe, dass ich hin und wieder, vor allem jetzt im Winter oder wenn ich in der Steiermark bin, gerne ein Häferl davon trinke. Meine zur Zeit bevorzugte Sorte ist Melanda gold kräftig mit etwa 30% Bohnenkaffeeanteil.

Großmutters Kaffeehäferl

Das Kaffeehäferl, das ihr oben seht, ist an die achtzig Jahre alt und ein Mitbringsel meiner Großmutter aus Mariazell, einem Wallfahrtsort in der Steiermark. Darf man den Erzählungen unserer Senioren im Familienkreis glauben, hat sie es nur an Sonntagen benutzt. Seit ihrem Tod vor 40 Jahren steht es als Andenken an sie im „Erinnerungsschrank“ meiner Mutter – besser gesagt, stand – denn vor Kurzem habe ich es mit dem Versprechen, es in Ehren zu halten, geschenkt bekommen.

Bockbier

Am vergangenen Wochenende fand vielerorts der Bockbier-Anstich statt. Nun bereitet mir die Frage, warum das Bockbier denn Bockbier heißt nicht grad schlaflose Nächte, aber wissen wollte ich es dennoch.

Laut Wikipedia gibt es zwei Theorien. Die eine leitet den Namen von der Hansestadt Einbeck ab. In Einbeck wurde schon seit dem 13. Jahrhundert Bier mit hohem Stammwürzegehalt für den Export nach Italien gebraut. 1614 wurde nun ein Braumeister aus Einbeck ans Münchner Hofbräuhaus geholt, der nun auch in Bayern starkes „Ainbecksches Bier“ braute. Und so soll aus dem „Ainbeck“ im Laufe der Zeit das Wort „Bock“ entstanden sein. Die zweite Theorie besagt, dass sich Brauereilehrlinge nach dem Leeren des Fasses auf den Bock – das ist das Gestell, auf dem das Fass aufliegt – setzen mussten. Auf diesem Bock befand sich natürlich verkleckertes Bier und war das stark genug, blieben die Lehrlinge nach einiger Zeit darauf kleben, was als Zeichen für Starkbier gewertet wurde, wobei der Begriff „Starkbier“ erst ab dem 20. Jahrhundert verwendet wird.

Um diese Bockbierologie zu vervollkommnen, müssen auch noch der Doppelbock und der Eisbock erwähnt werden. Der Doppelbock wurde von den Paulanern, einem Männerorden, entwickelt. Die Mönche durften sich während der damals noch zahlreichen Fastenzeiten nur flüssig ernähren. Bier war nahrhaft und gab Kraft, weshalb die Mönche begannen, sich ihr eigenes Bier zu brauen und dabei den Stammwürzegehalt zwecks Arbeitskrafterhaltung abermals kräftig erhöhten. Sie nannten dieses Bier Sankt-Vaters-Bier, aus dem der Begriff Salvator hervorging.

Während der Doppelbock also eine geplante Sache war, entstand der Eisbock zufällig aus reiner Schlamperei von Brauereigesellen. Die hatten nämlich im Winter vergessen, eines der Bierfässer frostsicher zu verstauen. Im Fass bildete sich aus dem im Bier enthaltenen Wasser ein Eisklumpen, in dessen Innerem sich die restlichen, konzentrierten Bestandteile des Bieres sammelten. Um ein Exempel zu statuieren und die Gesellen zu bestrafen, zwang der Braumeister die Burschen, diesen Klumpeninhalt zu trinken und erlebte – im wahrsten Sinne des Wortes – ein blaues Wunder :-)

Das ist natürlich nur eine Kurzfassung der Erklärungen. Wer alles ganz genau wissen möchte, schlage bei Wikipedia/Bockbier nach.