ZARTGRAU

Poesiealben

Grade vorhin bin ich vom Frühstück bei meiner Kusine zurück gekommen. Sie hat beim Räumen auf dem Dachboden ihr Poesiealbum aus Kindertagen ausgegraben und da mussten wir natürlich darin stöbern. Sie war 14 Jahre alt, als sie es in der Bekannt- und Verwandtschaft herumgereicht hat – vor 56 Jahren also. Unter vielen anderen Sprücherln fanden wir auch das von den Veilchen und sittsamen Mädchen.

Veilchen

Sei wie das Veilchen im Moose
bescheiden, sittsam und rein
nicht wie die stolze Rose
die immer bewundert will sein.

Nun stellte sich für uns die Frage, was passieren würde, würde man heute einem Mädel in diesem Alter solche Zeilen ins Poesiealbum schreiben. Ich vermute aber stark, dass heute Mädchen mit 14 sich genieren würden, ein Poesiealbum zu haben. Ich tippe mal eher auf Mädchen im Volksschulalter und selbst da wäre ein solches Sprücherl vermutlich antiquiert. Was meint ihr?

6 Kommentare

  1. egbert

    Liebe Gerlinde, der Eintrag mit solch einem Gedichtchen in ein „Poesie-Album“ der heutigen Zeit, also bei Facebook oder bei Twitter o.ä. würde möglicherweise großes Unverständnis zur Folge haben oder große Verwunderung hervorrufen. Reicht doch den meisten Mitgliedern solcher „social networks“ eine möglichst große Anzahl von „LIKE’s“ aus, die sogar noch mit dem Begriff von Freunden beschrieben werden. Ich habe 2345 Freunde, toll…… Was daran sozial sein soll, verstehen wohl nur die daran Verdienenden.
    Ähnlichkeiten erkenne ich auch in dieser blog-Welt. Da melden sich Leute mal schnell als Leser auf deiner Seite an und hoffen darauf, dass auch sie verlinkt werden. Dann kommt aber keine Kommunikation in Gang, keine Austausch von Gedanken, keine Kommentare zu Beiträgen. Das finde ich fad und so bin ich selbst nur auf wenigen Seiten aktiv. Zum Glück bin ich auch wieder angekommen….

    es wünscht dir eine poesievolle Woche
    der antiquierte egbert
    :)

    1. Gerlinde (Beitrag Autor)

      Huch, an Facebook habe ich in diesem Zusammenhang überhaupt nicht gedacht. Mit social networks habe ich nämlich überhaupt nichts am Hut. Zumindest jetzt noch nicht. Vielleicht später einmal, wenn ich alt bin und keinen Spaß mehr am real life habe und trotzdem 2345 Freunde haben möchte *g*

  2. Heide

    Das hat mich jetzt veranlasst mein Poesiealbum aus dem Jahre 1956 zu holen.
    Felsen können brechen,
    Berge niedergehen;
    aber dich vergessen,
    das wird nie geschehn!

    Deine Freundin Marlies

    Ich denke mir auch, dass diese Büchlein noch in der Volksschule kursieren.
    Lieben Gruß

    1. Gerlinde (Beitrag Autor)

      Mein Album stammt aus den Jahren 1962/63 und enthält relativ wenig „tiafe“ Sprücherl. Bis auf eines, das da lautet: Du bist ein Wesen voller Güte, du bist wie eine Rosenblüte.

      Meinem Bruder habe ich mein Poesiealbum nie gegeben – der wollte nämlich das Distelgedicht reinschreiben *g*

      1. Heide

        Mir blieb das nicht erspart. Meine ältere Schwester hat auf die letzte Seite geschrieben, irgendwann im Streit habe ich dann die Seite entfernt. Kann mich gar nicht mehr erinnern was sie genau geschrieben hat. Sicher war der Spruch „sehr tieaf“…… :-))

        Ob jüngerer Bruder oder ältere Schwester wir haben das gleiche Los gezogen! Trotzdem ♥♥♥ (nicht immer)

        1. Gerlinde (Beitrag Autor)

          Aber natürlich mögen wir uns und das wird sich auch nie ändern – ein bisserl Geplänkel gehört eben auch zum Leben, sonst wäre es ja fad *g*

          Das Distelgedicht zur Erinnerung

          Du bist wie eine Distel
          so borstig und so rau
          und dass du eine Distel bist,
          das weißt du ganz genau.

          Doch sollst du dich nicht grämen,
          dass du ’ne Distel bist,
          es kommt bestimmt ein Esel,
          der gerne Disteln frisst!

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